Öffentliche Vortragsreihe

"Das Geschlecht der Europa – Europäische Integration und Geschlechtergerechtigkeit"

Im WiSe 2019/2020 wird es erneut eine Vortragsreihe geben: "Das Geschlecht der Europa – Europäische Integration und Geschlechtergerechtigkeit".

Mit der Wahl von Ursula von der Leyen zur Präsidentin der EU-Kommission scheint eine neue Zeitrechnung für Europa bzw. die Europäische Union zu beginnen. Die erste weibliche Kommissionsvorsitzende hat in ihrer Bewerbungsrede angekündigt, dass sie auf eine geschlechtsparitätisch besetzte Kommission hinwirken will. Ist das Patriarchat nun am Ende? Es wird zu beobachten sein, inwieweit die Kommissionspräsidentin ihre ambitionierten Ziele umsetzen kann.
Weit mehr muss aber daran erinnert werden, dass der Prozess der europäischen Integration und das Streben nach Geschlechtergerechtigkeit eine Aufgabe aller EU-Gremien und aller Mitgliedsstaaten, aber mindestens genauso der Zivilgesellschaft ist. Und es muss daran erinnert werden, dass sich parallel zu den bisherigen gleichstellungspolitischen Bestrebungen auch sichtbare und machtvolle Gegenbewegungen etabliert haben. In der Veranstaltungsreihe werfen wir einen Blick auf die Vor- und Rückwärtsbewegungen europäischer Frauen- und Gleichstellungspolitik und auf die Rolle der verschiedenen politischen Akteur*innen. Wo gibt es Erfolge, wo Niederlagen zu verzeichnen, wer hat welche Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten und wie sehen die Zukunftsperspektiven von Gleichstellung und Feminismus in Europa aus? Die eingeladenen Referent*innen geben aus ganz unterschiedlichen Perspektiven Ein- und Ausblicke auf diese Fragen und laden zur Diskussion ein.

Die Veranstaltungen finden an einzelnen Dienstagen, 18:30 - 20:00 Uhr an der OTH Regensburg statt. Die Vorträge sind öffentlich und stehen allen Interessierten offen. Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich.

Organisiert werden die Veranstaltungen von der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften. Finanziert werden die Vorträge über das Professorinnenprogramm II.

Die Vorträge im Einzelnen

  • 29.10.2019: "Nach der Wahl ist vor der Wahl. Europäische Frauen- und Gleichstellungspolitik" von Maria Noichl, MdEP
    Beschreibung: Zwar wächst das gesellschaftliche Bewusstsein für vorhandene Diskriminierungen von Frauen und anderen Gruppen stetig, aber gleichzeitig wächst auch der Widerstand gegen eine Politik, die diese Missstände beheben will. Dabei beobachten wir eine sich immer weiter polarisierende Debatte, die von der Straße bis in die (europäischen) Parlamente reicht und dort am status quo rüttelt oder progressive Gesetze ganz verhindert. Die neue Legislaturperiode des Europäischen Parlaments begann mit einem aus gleichstellungs- und frauenpolitischer Perspektive hoffentlich positiven Vorzeichen: der ersten Präsidentin der Europäischen Kommission, mit dem Versprechen einer paritätischen Kommission. Wir stellen uns heute die Frage: Wie hat sie dieses Versprechen umgesetzt? Welche Prioritäten wird die Kommission setzen? Und wird die EU es schaffen, wieder ein Motor für die Gleichstellung der Geschlechter zu werden?
  • 19.11.2019: "Kampfbegriff 'Gender'. Antifeminismus und rechter Populismus in Europa" von Dr. Stefanie Mayer, Politikwissenschaftlerin, Universität FH-Campus Wien
    Beschreibung: Der Begriff „Gender“ bzw. die sogenannte „Gender-Ideologie“ wurde in den letzten Jahren zur Chiffre für Gleichstellungspolitiken sowie für sexuelle und reproduktive Rechte und damit weltweit zu einem wichtigen Kampfbegriff rechter politischer Strömungen. Besonders gegen die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, gegen Sichtbarkeit und Anerkennung von Transpersonen, gegen Frauenförderung, Gender Mainstreaming und akademischer Gender Forschung sowie gegen Sexualerziehung und geschlechtssensible Pädagogik wird mobilgemacht. An diesen Schnittstellen von Antifeminismus und Homophobie finden Akteur*innen zusammen, die sonst kaum Berührungspunkte aufweisen. Der Vortrag geht an Hand der Analyse dominanter Argumentationsmuster der Frage nach, welche Rolle der genderfixierte Antifeminismus für rechte Populismen in Europa spielt.
  • 07.01.2020: "Feminismus in Europa. Zwei Männer auf einer Reise durch einen Kontinent der Ungleichheit." von HERR & SPEER (Aktivisten und Autoren)
    Beschreibung: Im Frühjahr 2019 reisten die Aktivisten, Autoren und deutschen UN Women #HeForShe Botschafter Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer durch zwölf europäische Länder. Mit im Gepäck die Frage, wie es um Gleichberechtigung in Europa steht und welche Rolle Männer im Feminismus spielen (können). In ihrem Vortrag mit ausführlichem Diskussionsteil geben sie einen Einblick in ihre Erfahrungen. Sie trafen nordirische Feministen im Kampf für Abtreibungsrechte, besuchten das European Institute for Gender Equality in Litauen und erfuhren in Spanien, wie prägend traditionelle Familienbilder noch sind. Herr & Speer beobachten vielfältiges feministisches Engagement in Europa. Doch um wirklich weiter zu kommen, braucht es effektiveren Einsatz über Grenzen hinweg, konsequenteres politisches Handeln – und mehr Empathie und Problembewusstsein bei Männern.

Veranstaltungsort

Die Vorträge finden an der OTH Regensburg am Standort Seybothstr. 2 im Raum S 322 (3. Stock, Aufzug vorhanden) statt.

Informationen zur Anreise

Informationen zum Raumplan

Rückblick

Im WiSe 2018/2019 gab es das Projekt "100 Jahre Frauenwahlrecht" . Auf dem Weg zur Gleichberechtigung in Deutschland markiert die Einführung des Wahlrechts für Frauen im Jahr 1918 einen entscheidenden Wendepunkt. Seither können Frauen an den Wahlen teilnehmen und selbst gewählt werden, sich also damit politisch einbringen und partizipieren. In diesem Jahr liegt dieser Meilenstein der Demokratie 100 Jahre zurück und stellt somit den passenden Zeitpunkt dar, sich dem Thema Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit der letzten hundert Jahre zu widmen. In einem Projektseminar für Studierende der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften sollen insbesondere Regensburg und Bayern mit ihren politischen Akteurinnen und Akteuren, mit besonderen Ereignissen, Maßnahmen und Prozessen in den Fokus rücken, die Einfluss auf die Gleichstellung und Emanzipation von Frauen hatten und haben.

Im Zuge dieses Projekts für Studierende der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften wird es auch einen öffentlichen Vortrag von Prof. Dr. Daniela Neri-Ultsch von der Universität Regensburg geben. Der Vortrag "Nun begann ein neues Leben!" 100 Jahre Frauenwahlrecht - Parlamentarierinnen in Bayern. Eine Bilanz." fand am 17.Oktober 2018 statt.

Auch im WiSe 2017/2018 fand wieder eine öffentliche Vortragsreihe statt. Thema der Reihe lautete "Gender und Care: Debatten, Bedingungen und Perspektiven". Care - Fürsorge - durchzieht alle Bereiche des Lebens und betrifft jede und jeden. Gleichwohl mangelt es den Care-Tätigkeiten und ihren Bedingungen an gesellschaftlicher Wahrnehmung und Anerkennung. Die Gründe für die unzureichenden Bedingungen finden sich in den ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Kontexten - und in den Vergeschlechtlichungsprozessen, die Care zugrunde liegen und die von Care ausgelöst werden. Die Vortragsreihe beschäftigt sich mit ausgewählten Aspekten dieser mehrdimensionalen Prozesse.

 

 

 

 

Im Wintersemester 2016/2017 fand erneut eine öffentliche Vortragsreihe statt. Das Thema in diesem Semester lautete "Grenzkonflikte und Grenzüberschreitungen: Debatten zu Sexismus - Rassismus - Nationalismus". Die Vorträge befassten sich mit dem Verhältnis von Rassismus und Sexismus in Politik, Kultur und Gesellschaft. Aus unterschiedlichen Perspektiven wurde beleuchtet, wie diese zusammenwirken und welche Herausforderungen sich daraus ergeben.

Die Vortragsreihe im WiSe 2015/2016 befasste sich mit den politischen und kulturellen Debatten zum Geschlechterverhältnis und mit dem Denken und Handeln innerhalb und jenseits klassischer Geschlechterkonstruktionen. Wie gestalten sich Macht- und Herrschaftsverhältnisse zwischen den Geschlechtern, in welcher Weise werden Geschlechterkonstruktionen und -konflikte in Politikprozessen sichtbar? Wie lässt sich Gesellschaft und Individualität denken, wenn man sich von Konstruktionen der Zweigeschlechtlichkeit löst? Wie sehen subjektive und gesellschaftliche Widerstände aus? Welche politischen Ziele und Handlungsmöglichkeiten werden damit verknüpft? Die Vorträge und Debatten sollen den Blick öffnen für plurale Lebensformen und -konzepte und für Politiken der Gleichstellung und Emanzipation.